Ferdinand von Schirachs "Die Würde ist antastbar" (BTB Verlag) ist keine zusammenhängende Erzählung, sondern eine Sammlung von Essays, die sich mit juristischen und ethischen Fragen auseinandersetzen, die unsere Gesellschaft bewegen. Schirach, selbst Strafverteidiger, beleuchtet dabei die Grenzen und die Ambivalenzen des Rechts, besonders im Kontext der Menschenwürde.
Die Essays zeichnen sich durch Schirachs prägnanten, klaren Stil aus. Er verzichtet auf juristischen Fachjargon und präsentiert komplexe Sachverhalte verständlich und nachvollziehbar. Statt abstrakter Diskussionen schildert er oft konkrete Fälle, die die moralischen Dilemmata der jeweiligen Thematik verdeutlichen. Dabei geht es nicht nur um juristische Urteile, sondern auch um die dahinterstehenden Überlegungen und die ethischen Fragen, die sich daraus ergeben.
Die behandelten Themen reichen von der Todesstrafe über die Folter bis hin zu Fragen der Bioethik, des Rechts auf Selbstbestimmung und der Verantwortung des Einzelnen in einer globalisierten Welt. Schirach hinterfragt etablierte Normen und Denkweisen und regt den Leser zum kritischen Nachdenken an. Seine Argumentation ist oft provokativ, aber immer fundiert und durchdacht. Er stellt nicht nur Probleme dar, sondern sucht nach Lösungen und möglichen Kompromissen, auch wenn diese nicht immer einfach oder bequem sind.
Insgesamt ist "Die Würde ist antastbar" ein anspruchsvolles, aber hochgradig lesenswertes Buch, das die Leser zum Nachdenken über die Bedeutung von Recht, Moral und Menschenwürde in der heutigen Zeit anregt. Es ist kein juristisches Lehrbuch, sondern eine Einladung zur Auseinandersetzung mit fundamentalen ethischen Fragen unserer Zeit.