Joseph Stiglitz' "Die Schatten der Globalisierung" (Siedler Verlag) ist eine scharfe Kritik an der Gestaltung und den Auswirkungen der Globalisierung, wie sie Ende des 20. und Anfang des 21. Jahrhunderts vorherrschte. Stiglitz, selbst Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften und ehemaliger Chefökonom der Weltbank, argumentiert, dass die Globalisierung nicht für alle gleichermassen vorteilhaft war und in ihrer damaligen Ausgestaltung zu grossen Ungleichheiten und sozialen Problemen geführt hat.
Das Buch deckt verschiedene Aspekte ab:
* **Ungerechte Handelsabkommen:** Stiglitz prangert die Macht der entwickelten Länder in internationalen Handelsorganisationen wie der WTO an und zeigt auf, wie diese Abkommen oft zu Lasten der Entwicklungsländer gestaltet wurden. Er kritisiert die mangelnde Berücksichtigung von sozialen und ökologischen Faktoren.
* **Finanzmärkte und ihre Folgen:** Ein Schwerpunkt liegt auf den negativen Auswirkungen unregulierter Finanzmärkte, die seiner Meinung nach zu Krisen wie der Asienkrise beigetragen haben und weiterhin zu Instabilität führen. Er kritisiert die Rolle internationaler Finanzinstitutionen wie des IWF.
* **Armut und Ungleichheit:** Stiglitz dokumentiert, wie die Globalisierung in ihrer damaligen Form die Kluft zwischen Arm und Reich vergrössert hat, sowohl innerhalb als auch zwischen Ländern. Er zeigt auf, dass die versprochenen Vorteile der Globalisierung - Wohlstand für alle - nicht eingetreten sind.
* **Alternativen und Lösungsansätze:** Das Buch endet nicht nur mit Kritik, sondern bietet auch konstruktive Vorschläge für eine gerechtere Globalisierung. Er plädiert für eine stärkere Regulierung der Finanzmärkte, eine Reform der internationalen Institutionen und eine stärkere Berücksichtigung der Bedürfnisse von Entwicklungsländern in Handelsabkommen.
Insgesamt ist "Die Schatten der Globalisierung" kein rein akademisches Werk, sondern eine engagierte und gut lesbare Auseinandersetzung mit einer der wichtigsten ökonomischen und politischen Entwicklungen der letzten Jahrzehnte. Stiglitz' Expertise und seine Position innerhalb der internationalen Wirtschaftspolitik verleihen seinen Argumenten besonderes Gewicht, auch wenn seine Kritik nicht unumstritten ist. Das Buch ist eine wichtige Stimme im Diskurs über die Globalisierung und ihre Folgen und regt zum Nachdenken über Alternativen an.