Die obskure Liebe der Montserrat Caramunt
Autor: Juan Marse
Verlag: Elster
Deutsch
5.00 CHF
ISBN: 978-3-89433-369-1
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"Die obskure Liebe der Montserrat Caramunt" (Originaltitel: "El embrujo de Shanghai"), erschienen im Elster Verlag, ist ein meisterhafter Roman des spanischen Autors Juan Marsé. Marsé, bekannt für seine melancholischen und atmosphärischen Erzählungen, die oft in seiner Heimatstadt Barcelona angesiedelt sind, liefert hier ein komplexes und vielschichtiges Werk ab.

**Inhalt und Handlung:**

Der Roman entführt den Leser in das trostlose Barcelona der Nachkriegszeit, eine Stadt, die noch unter den Wunden des Bürgerkriegs und der Franco-Diktatur leidet. Im Mittelpunkt der Geschichte stehen zwei junge, frühreife Jugendliche, Fernando und Dani, die in der armseligen Umgebung des Viertels Poble Sec leben. Ihre graue Realität wird auf magische Weise durch die Geschichten eines todkranken, geheimnisvollen Mannes namens Kim durchbrochen.

Kim erzählt von den abenteuerlichen Heldentaten eines verschwundenen Anarchisten und Revolutionskämpfers, der angeblich in den exotischen Wirren Shanghais gegen die Ungerechtigkeit kämpfte. Das Objekt der Begierde und die titelgebende "obskure Liebe" in diesen Erzählungen ist die verführerische und rätselhafte Montserrat Caramunt, die Frau, der dieser Held versprochen hat zurückzukehren.

Die Handlung entfaltet sich auf mehreren Ebenen: Da ist die raue Wirklichkeit des Nachkriegs-Barcelona, die jugendliche Faszination und Sehnsucht der Kinder, und die fantastische, vielleicht auch nur erfundene Welt der Shanghai-Abenteuer. Die Wahrheit hinter Kims Erzählungen bleibt dabei stets schillernd und ungreifbar, wodurch die Grenze zwischen Realität und Fiktion immer weiter verschwimmt.

**Themen und Merkmale:**

* **Die Macht der Geschichten:** Marsé untersucht, wie Erzählungen und Fantasie als Fluchtmechanismus dienen können, um der harten Realität zu entkommen. Die Kinder klammern sich an Kims Geschichten, um ihrem tristen Alltag einen Sinn und eine Dimension von Abenteuer zu verleihen.
* **Kindheit und Erwachsenwerden:** Der Roman ist stark aus der Perspektive der Kinder erzählt, die mit den dunklen Geheimnissen der Erwachsenenwelt konfrontiert werden und gleichzeitig ihre eigene, unschuldige Sicht auf die Dinge entwickeln.
* **Wahrheit und Illusion:** Eine zentrale Frage des Romans ist, was wahr ist und was erfunden. Sind Kims Geschichten Heldentaten oder nur Lügen eines alten Mannes? Marsé spielt meisterhaft mit dieser Ambivalenz.
* **Nostalgie und Melancholie:** Wie viele von Marsés Werken ist auch dieses Buch von einer tiefen Melancholie durchzogen, einer Sehnsucht nach verlorenen Zeiten, unerfüllten Träumen und der Unschuld der Kindheit.
* **Sozialkritik:** Marsé spart nicht mit leiser Kritik an der gesellschaftlichen und politischen Situation des Nachkriegs-Spaniens, ohne dabei didaktisch zu werden. Die Armut, die Hoffnungslosigkeit und die Zensur sind subtil, aber spürbar präsent.

**Sprache und Stil:**

Juan Marsés Prosa ist von aussergewöhnlicher Eleganz und poetischer Dichte. Er zeichnet stimmungsvolle Bilder, schafft eine atmosphärische Dichte und lässt die Charaktere lebendig werden. Seine Sprache ist reich an Metaphern und sinnlichen Beschreibungen, die den Leser tief in die erzählte Welt eintauchen lassen. Die komplexe Erzählstruktur mit ihren verschachtelten Geschichten ist ein weiteres Markenzeichen seines Stils.

**Fazit:**

"Die obskure Liebe der Montserrat Caramunt" ist ein tiefgründiger und wunderschön geschriebener Roman, der lange nach der Lektüre nachhallt. Er ist eine Ode an die Kraft der Vorstellungskraft, eine melancholische Reflexion über die Kindheit und eine bewegende Auseinandersetzung mit der Frage, wie wir uns unsere Realität durch Geschichten erschaffen. Für Liebhaber anspruchsvoller, atmosphärischer Literatur ist dieses Buch von Juan Marsé ein absolutes Mus