Günther Bindings "Architektursche Formenlehre" aus dem Primus Verlag ist ein **Standardwerk** im Bereich der Architekturtheorie und -geschichte, das sich der **systematischen Erschliessung und Beschreibung architektonischer Formen und ihrer Prinzipien** widmet.
Das Buch ist keine blosse Abfolge von
Stilepochen oder eine Sammlung von Bauwerken, sondern eine **grundlegende Einführung in die "Grammatik" der Architektur**. Es beleuchtet die morphologischen Aspekte von Bauwerken, indem es die Elemente, deren Zusammenspiel und die dahinterliegenden gestalterischen Gesetzmässigkeiten analysiert.
**Hauptmerkmale und Inhalte:**
1. **Systematische Klassifikation:** Binding zerlegt die Architektur in ihre Grundbausteine und analysiert diese akribisch. Dazu gehören:
* **Grundlegende Bauelemente:** Mauer, Stütze (Säule, Pfeiler), Bogen, Gewölbe, Dach, Öffnungen (Fenster, Türen).
* **Komposition und Gliederung:** Wie werden diese Elemente zu Fassaden, Räumen und ganzen Baukörpern zusammengefügt? Themen wie Proportionalität, Rhythmus, Symmetrie und Asymmetrie spielen hier eine zentrale Rolle.
* **Raumbildung:** Die Auseinandersetzung mit der Gestaltung und Wirkung von Innen- und Aussenräumen.
2. **Historische Perspektive:** Obwohl das Buch primär analytisch ist, verfolgt es die Entstehung und Entwicklung von Formen im Laufe der Architekturgeschichte. Es erklärt, wie Funktion, Konstruktion, Materialität und ästhetische Absichten die Gestalt von Bauwerken über Epochen und Kulturen hinweg beeinflusst haben.
3. **Form und Funktion:** Ein zentrales Thema ist die Beziehung zwischen der äusseren Erscheinung einer Form und ihrer inneren Bestimmung oder konstruktiven Notwendigkeit. Binding zeigt auf, wie diese Aspekte untrennbar miteinander verbunden sind.
4. **Verständnis der Architektursprache:** Ziel des Buches ist es, dem Leser die Werkzeuge an die Hand zu geben, um die "Sprache" der Architektur zu verstehen, zu analysieren und zu interpretieren. Es schult den Blick für die Details und die grossen Zusammenhänge, für die Schönheit und die Logik hinter architektonischen Gestaltungen.
5. **Reichhaltige Illustrationen:** Typischerweise sind Bindings Werke, so auch die Formenlehre, reich bebildert mit präzisen Zeichnungen, Diagrammen und ausgewählten historischen Beispielen, die die theoretischen Konzepte anschaulich vermitteln und das Verständnis erleichtern.
**Zielgruppe:**
Das Buch richtet sich an:
* **Studierende der Architektur, Kunstgeschichte und Bauforschung** als grundlegendes Lehr- und Nachschlagewerk.
* **Praktizierende Architekten und Denkmalpfleger**, um ihr Verständnis für die Grundlagen der Gestaltung und Konstruktion zu vertiefen.
* Alle, die ein **tieferes, analytisches Verständnis** für die gebaute Umwelt entwickeln möchten, jenseits einer rein stilgeschichtlichen Betrachtung.
Zusammenfassend ist Günther Bindings "Architektursche Formenlehre" ein **fundiertes, wissenschaftlich präzises und didaktisch wertvolles Werk**, das eine unverzichtbare Ressource für jeden darstellt, der sich ernsthaft mit der Entstehung, Bedeutung und Wirkung architektonischer Formen auseinandersetzen möchte. Es liefert das Rüstzeug, um Gebäude nicht nur zu betrachten, sondern sie in ihrer ganzen gestalterischen Komplexität zu **lesen und zu verstehen*
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