Ernst Lohoffs "Dead Man Working", erschienen im Unrast Verlag, ist ein zentrales Werk der modernen Kapitalismus- und Krisentheorie, das sich in der Tradition einer fundamentalen Kritik der Wertform bewegt und massgeblich die Diskussionen im Umfeld der ehemaligen "Krisis"-Gruppe (später "EXIT!") geprägt hat.
**Zentrale Themen und Argumentation:**
1. **Der Titel als Programm ("Dead Man Working"):** Der Titel ist programmatisch und spielt auf Karl Marx' Begriff der "toten Arbeit" (Kapital) an. Lohoff beschreibt die Logik des Kapitals, die als ein verselbständigter, "toter" gesellschaftlicher Automatismus (der "tote Mensch") das lebendige menschliche Arbeiten unter ihre Herrschaft zwingt und zum blossen Mittel ihrer eigenen Verwertung degradiert. Die menschliche Tätigkeit ist demnach nicht Selbstzweck, sondern fungiert als blosse Funktion der Kapitalakkumulation.
2. **Die strukturelle Krise des Werts:** Lohoff argumentiert, dass die aktuelle Krise des Kapitalismus keine blosse konjunkturelle Schwäche ist, sondern eine tiefgreifende, strukturelle Krise der Verwertung des Werts selbst. Durch die fortwährende Steigerung der Produktivität mittels Technologie wird immer weniger menschliche "lebendige Arbeit" - die nach Marx die Quelle des Werts ist - pro Produkt benötigt. Dies untergräbt langfristig die Basis der Wertschöpfung und führt zu einer inneren Schranke des Kapitals.
3. **Abstrakte Arbeit und die automatische Subjektivität des Kapitals:** Im Zentrum der Analyse steht die Kategorie der **abstrakten Arbeit** als die spezifische gesellschaftliche Form der Wertproduktion im Kapitalismus. Diese Arbeit ist nicht auf konkrete Bedürfnisse oder spezifische Tätigkeiten ausgerichtet, sondern dient ausschliesslich der Produktion von Wert, der sich verselbstständigt hat. Das Kapital erscheint als "automatische Subjektivität", eine entfesselte Logik, die sich selbst reproduziert und alle menschlichen Beziehungen und Tätigkeiten ihren Imperativen unterwirft. Der Mensch wird zum blossen Exekutor dieser irrationalen Systemlogik.
4. **Verdinglichung und Entfremdung:** Das Buch beleuchtet, wie dieser Prozess zur **Verdinglichung** der gesellschaftlichen Verhältnisse führt, bei denen menschliche Beziehungen als Beziehungen zwischen Dingen erscheinen, und zur **Entfremdung** des Menschen von seiner Arbeit, den Produkten und letztlich von sich selbst. Der "Dead Man" (das Kapital) arbeitet durch die Lebenden, entleert ihre Arbeit von Sinn und schafft eine Welt, in der die Subjekte zu Objekten eines verselbständigten Systems werden.
5. **Die Grenzen der Kapitalakkumulation:** Lohoff analysiert die historischen und aktuellen Manifestationen dieser Krise, von der zunehmenden Entkopplung der Finanzmärkte von der Realökonomie bis hin zu Phänomenen der "Arbeit ohne Inhalt" oder der ökologischen Zerstörung. Er zeigt auf, wie der Kapitalismus an seine inneren Grenzen stösst, wenn der "tote Mensch" (das Kapital) immer weniger "lebendige Arbeit" zum Fressen findet, um sich zu reproduzieren und zu expandieren.
**Fazit:**
"Dead Man Working" ist eine fundierte und radikale Kritik am Kapitalismus, die über traditionelle ökonomische oder soziologische Analysen hinausgeht. Es bietet eine tiefgreifende Auseinandersetzung mit den grundlegenden Kategorien der marxschen Kritik, insbesondere der Wertform, um die gegenwärtigen Krisenphänomene als Ausdruck einer epochalen Systemkrise zu verstehen. Für jeden, der sich mit einer fundamentalen Kritik des Kapitalismus, der Krisentheorie und der Geschichte der Wertformanalyse auseinandersetzen möchte, ist Lohoffs Werk eine unverzichtbare und herausfordernde Lektür
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