Der Roman "Die Herrlichkeit des Lebens" von Michael Kumpfschmied, erschienen im Verlag Kiepenheuer & Witsch, ist eine bewegende und tiefgründige Erkundung der Geschichte des Künstlers Lovis Corinth und seiner späten Jahre.
**Worum geht es in "Die Herrlichkeit des Lebens"?**
Der Roman nimmt sich die letzten Lebensjahre des expressionistischen Malers Lovis Corinth vor, der 1911 einen schweren Schlaganfall erlitt, der seine rechte Körperhälfte lähmte und somit seine Fähigkeit zu malen massiv beeinträchtigte. Kumpfschmied schildert Corinth als einen Mann, der durch diese körperliche Einschränkung tief gezeichnet ist, aber gleichzeitig eine unbändige Lebenskraft und einen unbändigen Schaffensdrang besitzt, der ihn nicht aufgeben lässt.
Im Zentrum steht die **innere und äussere Auseinandersetzung** Corinths mit seiner Krankheit und seinen Einschränkungen. Er muss lernen, mit seiner linken Hand zu malen, eine mühsame und oft frustrierende Angelegenheit. Doch gerade in dieser neuen Freiheit und in der Notwendigkeit, neue Wege zu finden, entdeckt er auch eine unerwartete **Erneuerung seines künstlerischen Ausdrucks**. Seine Bilder werden roher, kraftvoller und intensiver.
Der Roman beleuchtet aber nicht nur die künstlerische Seite Corinths. Er taucht auch tief in sein **persönliches Leben** ein, in seine Beziehung zu seiner Frau Charlotte, die ihn unermüdlich unterstützt und pflegt, und in seine Gedankenwelt. Kumpfschmied zeichnet ein Bild von einem Mann, der mit den grossen Fragen des Lebens, der Vergänglichkeit, der Kunst und der eigenen Bedeutung ringt.
**Was macht den Roman besonders?**
* **Sprachliche Intensität und Bildhaftigkeit:** Michael Kumpfschmied ist bekannt für seine eindringliche und bildgewaltige Sprache. Er schafft es, die Atmosphäre der Zeit, die Empfindungen Corinths und die Intensität des Malprozesses auf beeindruckende Weise lebendig werden zu lassen. Man kann sich förmlich in sein Atelier versetzen und die Farben riechen.
* **Psychologische Tiefe:** Der Autor dringt tief in die Psyche seines Protagonisten ein. Er erforscht die Momente der Verzweiflung, des Zweifels, aber auch die Phasen der Rückbesinnung und der neu gewonnenen Kraft.
* **Eine Würdigung der Kunst und des Lebenswillens:** "Die Herrlichkeit des Lebens" ist eine Hommage an die Kraft der Kunst und an den unerschütterlichen Lebenswillen eines Künstlers, der sich auch im Angesicht schwerer Schicksalsschläge nicht unterkriegen lässt. Der Titel selbst suggeriert eine Auseinandersetzung mit dem, was das Leben, trotz aller Widrigkeiten, wertvoll und "herrlich" macht.
* **Historische Genauigkeit und literarische Freiheit:** Kumpfschmied recherchiert sorgfältig die Fakten rund um Lovis Corinth, verwebt diese aber geschickt mit seiner eigenen literarischen Interpretation und schafft so ein fesselndes Porträt.
**Zusammenfassend lässt sich sagen:**
"Die Herrlichkeit des Lebens" von Michael Kumpfschmied ist ein atmosphärisch dichter, sprachlich brillanter und emotional tiefgehender Roman, der das letzte, von Krankheit gezeichnete, aber dennoch produktive Kapitel im Leben von Lovis Corinth einfängt. Es ist ein Buch für Liebhaber von Künstlerbiografien, für Leser, die sich für deutsche Kunstgeschichte interessieren, und für alle, die sich von Geschichten über menschliche Widerstandskraft und die Findung neuer Kraft im Leben berühren lassen möchte
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